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Alltag eine*r Tierärzt*in: Ich habe verlernt, Hobbies zu haben

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Praxisalltag optimieren – Mit kleinen Veränderungen zu mehr Zeit und Entspannung

von Michelle Becker, Praxisberaterin bei TVD

 

Den Satz „Ich habe verlernt, Hobbies zu haben“ hörte ich neulich von einem Kunden bei der Praxis-Beratung. Vielleicht kommen auch Ihnen folgende Gedanken bekannt vor: Ihre Arbeitszeiten sind so ausgedehnt, dass kaum Zeit für Familie oder Hobbies bleibt. Ihre Umsätze sind zu gering, um qualifiziertes und entlastendes Personal einzustellen. Oder vielleicht sogar beides?

Die aktuelle Situation der praktizierenden Tierärzt*innen in Deutschland ist in weiten Teilen prekär und spitzt sich immer weiter zu. Fachkräfte zu finden ist keine leichte Aufgabe und Praxisinhaber*innen müssen das Arbeitspensum allein abfedern.

 

Es ist nicht immer der Preis, der über das Kommen und Gehen entscheidet.

 

Aus Mitgefühl für das Tier und Mensch, fällt es vielen Tierärzt*innen schwer, von den Patientenbesitzer*innen angemessene Preise für ihre hochwertige Leistung zu verlangen. Umdenken lohnt sich! [1] Sicher wissen Sie bereits, was vielen Tierbesitzern beim Tierarztbesuch wichtig ist: Es ist nicht immer der Preis, der über das Kommen und Gehen entscheidet. Vielmehr ist es die Tatsache, dass ihr Tier und sie freundlich behandelt werden, das Praxis-Team sich Zeit nimmt, kompetent auftritt und die Tierarztpraxis eine gute Ausstattung aufweisen kann. Dabei ist die Höhe der Investition für das Wohl ihres Tieres meist sekundär, wenn vorgenannte Punkte zum Großteil erfüllt sind. [2]

Diejenigen Tierbesitzer, deren Fokus auf dem Preis liegt, sind häufig – wie Sie sie sicher selbst schon kennen gelernt haben – zeitintensiv und nervenaufreibend. Unser Tipp: Fragen Sie sich, ob die Betreuung dieser Kunden einen positiven Kosten-Nutzen-Aufwand für Sie darstellt.

Selbst die GOT lässt verlauten, dass eine Abrechnung zum 1,0-fachen Satz nicht wirtschaftlich ist. [3]
Aus der Betreuung von mehreren hundert Tierarztpraxen können wir auch unsere Erfahrung weitergeben: Unter dem 1,4fachen Satz kann eine Tierarztpraxis nicht wirtschaftlich betrieben werden, um:

  • Personal zu finden und langfristig zu binden [4]
  • in eine moderne und arbeitserleichternde Ausstattung zu investieren
  • ein Arbeitspensum zu realisieren, welches mehr Zeit für Familie und Hobbies lässt

 

Der Fachkräftemangel in der praktizierenden Tiermedizin kann durch eine Erhöhung der Attraktivität der praktizierenden Tiermedizin in Zukunft deutlich reduziert werden! [5] Junge Kolleg*innen, die sich für einen Berufsweg in der praktizierenden Tiermedizin entscheiden, sind rar. Aus unserer Erfahrung in der Personalvermittlung sind wichtige Faktoren zur Personalfindung:

  • eine sinnvolle Aufgabe, innerhalb derer auch Verantwortung übernommen werden kann
  • ein harmonisches Team
  • eine angemessene Vergütung und Fortbildungsbudget
  • Regelmäßige Feedbackgespräche und Wertschätzung
  • Angebote wie eine betriebliche Altersvorsorge, ein Tankgutschein oder Mittagsverpflegung

 

Das Gehalt ist nicht mehr Grundstein für die Wahl des Arbeitgebers

 

Die Erfahrung aus unserer Personalvermittlung zeigt, dass ein angemessenes Gehalt zwar den Grundstein der Zufriedenheit von Mitarbeiter*innen darstellt, aber schon lange kein Grund mehr für die Wahl des Arbeitgebers/der Arbeitgeberin ist. [6] Setzen Sie den Grundstein und bauen Sie darauf auf!

Auch Ihnen als Praxisinhaber*in kann eine Erhöhung von Umsatz und Gewinn mehr Zeit für das Wesentliche ermöglichen: Mehr Zeit für die Patienten, gleichzeitig mehr Geld zum Leben und bei der richtigen Umsetzung sogar mehr Zeit für Familie und Hobbies.

Viele Praxisinhaber*innen planen den Verkaufserlös ihrer Praxis als Baustein ihrer Altersvorsorge ein. Das funktioniert aufgrund der wenigen potentiellen Nachfolger*innen in den meisten Fällen nicht! Rentable Umsätze und Gewinne können die Attraktivität Ihrer Praxis deutlich steigern und die Chancen massiv erhöhen, das Lebenswerk später in gute Hände abgeben zu können.

Technische Standards und Spezialisierungen in der Tiermedizin nähern sich zunehmend denen der Humanmedizin. Diese Entwicklung fördert und fordert eine ganz andere Preisstruktur als die, die wir momentan in Deutschland haben. Großbritannien und Schweden gehen mit gutem Beispiel voran. Daran sollten wir uns orientieren und die Patientenbesitzer auch auf diese Reise des Umdenkens mitnehmen.

Methodisch vorgenommene Preisanpassungen und die Vollständigkeit der Abrechnung ermöglichen einen stabilen Markt und die Selektion der Kunden hin zur Wunsch-Zielgruppe. Gegenseitige Überweisungen der Spezialleistungen können eine zeitliche Entlastung schaffen und den kollegialen Zusammenhalt fördern.

Die geschilderte Vorgehensweise bietet zusätzlich Raum, Ihr wertvolles Personal zu halten, bei Bedarf neues Personal zu finden und langfristig zu binden. Nicht selten entsteht aus einer solchen Beziehung eine hervorragende Gelegenheit für eine Praxisübernahme.

Ein Blick auf den Wandel des Tierärztemarktes zeigt die Wichtigkeit des Marketings auf, nicht nur zur Kundengewinnung, sondern auch hinsichtlich der Schwerpunkte Personal- und Nachfolgesuche. Dabei können kostengünstige oder sogar kostenfreie Maßnahmen schnell zu Erfolgen führen.

Etablierte Praxen mit durchschnittlich guten Umsätzen können häufig von einer individuellen Optimierung ihrer Praxis profitieren. Kleine Stellschrauben werden zu großen Hebeln und Ihr Traum, nur noch im Fachgebiet (Allgemeinmedizin, Chirurgie, Dental-Medizin, Innere Medizin, etc.) zu arbeiten, kann in die Tat umgesetzt werden.

„Ein Weg aus mehreren berufsbedingten Problemen könne laut Dr. Hörügel u.a. eine Anhebung des Preisniveaus sein. So wäre es den Praxisinhabern möglich, genug Geld zu generieren, um höhere Löhne für Ihre [sic] Angestellten zu zahlen. Damit die Arbeit in den Tierarztpraxen familienfreundlicher gestaltet werden könne, sollten die leitenden Veterinäre bemüht sein, sich bezüglich der Themen Arbeitszeit, Arbeitsinhalt, Strukturen, Personalentwicklung, etc. weiter zu bilden bzw. sich entsprechende professionelle Hilfe zu leisten.“ [7]

 

Was auch immer Ihre Herausforderung ist: Sie sind nicht allein!

 

Gemeinsam können wir uns gegenseitig unterstützen, die Zusammenarbeit fördern und die Tiermedizin jeden Tag ein Stückchen besser machen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg und Freude an unserem Beruf!

 

Erfolgsfaktoren in der Tierarztpraxis:

  • Wirtschaftliche Preisgestaltung
  • Nachhaltige Personalführung
  • Schon früh an die Nachfolge denken (3-5 Jahre im Voraus sind ideal)

 

Autorin:

Michelle Becker
Praxisberatung und Praxismarketing
0177 – 41 28 504
michelle.becker@tvd-finanz.de

 

Quellennachweis:

[1] PD Dr. Andreas Palzer (bpt Präsidium) beim bpt-Kongress 2020 DIGITAL, Zusammenfassung aus bptinfo 3/21, S.4 ff. „Aus Palzers Sicht muss dringend mehr Geld insgesamt in die Branche fließen. Tierarztleistungen werden im internationalen Vergleich in Deutschland seit langem oft nicht kostendeckend abgerechnet. Häufig, weil Inhabern betriebswirtschaftliche Kenntnisse fehlen. Dem stimmte Dr. Brandebusemeyer [BaT] zu: „Es gibt kaum eine andere Branche, in der ohne Ende gearbeitet werde, ohne dass es sich rechne.““

[2] Guido Bentlage, „Kommunikations-Skills. Erfolgreiche Gesprächsführung in der tierärztlichen Praxis“, Schattauer Verlag, Erstauflage 2016, S.19 ff

[3] Gebührenordnung für Tierärzte vom 28. Juli 1999 mit Gebührensätzen nach der Vierten Verordnung zur Änderung der Tierärztegebührenordnung vom 10. Februar 2020: „Der einfache Satz einer veralteten Gebührenordnung wird nicht mehr als Empfehlung für eine wirtschaftliche Praxisführung angesehen.“

[4] Bettina Julia Friedrich, „Untersuchungen zur beruflichen und privaten Situation tierärztlicher Praxisassistentinnen und -assistenten in Deutschland“, 2006: „Als mediane Bruttomonatsgehälter für Praxisassistent(inn)en wurden in dieser Untersuchung 2500€ in den alten Bundesländern und 2000€ in den neuen Bundesländern ermittelt. GRUßENDORF (2003, 33) führt aus, dass eine Praxis für einen Assistenten/eine Assistentin mit 2000€ (zzgl. 500€ Arbeitgeberanteil Sozialabgaben) Bruttomonatsgehalt einen Jahresumsatz von 120000€ erwirtschaften muss (bei einem Reingewinn von 25%). Dabei entsteht noch kein Gewinn, sondern die Assistentin/der Assistent trägt sich gerade selbst.“

[5] Dr. Dirk Remien (Verbund unabhängiger Kleintierkliniken, VUK) beim bpt-Kongress 2020 DIGITAL, Zusammenfassung aus bptinfo 3/21, S.4 ff. „Wie kann ich attraktive Arbeitsplätze schaffen? Im Kampf ums Personal gehe es zuerst darum, den großen Nachholbedarf der Branche bei Führungskompetenzen und Personalmanagement auszugleichen. […] Bewerbern gehe es eher um Arbeitszeiten und Dienstverteilung als ums Gehalt. Doch die Wertschätzung stehe im Vordergrund.“

[6] Bettina Julia Friedrich, „Untersuchungen zur beruflichen und privaten Situation tierärztlicher Praxisassistentinnen und -assistenten in Deutschland“, 2006: „Das Arbeitsklima hatte für die Assistent(inn)en dabei die höchste Priorität und war der häufigste Grund, die Stelle nochmals anzutreten oder zu wechseln – noch weit vor der Nennung von Arbeitszeiten und Gehalt.“

[7] Dr. Uwe Hörügel, Präsident der Sächsischen Landestierärztekammer, Festvortrag beim 9. Leipziger Tierärztekongress, https://www.tieraerztekongress.de/neuigkeiten/der-beruf-der-tieraerzte-steht-im-wandel-der-zeit/746071, abgerufen am 18.03.202

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