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Alisa – Mein Wildtierpraktikum in Namibia

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Alisa studiert Tiermedizin in München – auf ihrem Instagram-Account @daslieschen erzählt sie von ihren Reisen nach Namibia, die sie mehrmals im Jahr unternimmt, um aktiv auf einer Farm für Pferde zu unterstützen (Insta: @duesternbrooksafariguestfarm). Was sie jetzt in einem Wildtier-Praktikum vor Ort erlebt hat, hat sie uns in einem exklusivem Bericht geschildert.

 

Mein Traum wird wahr – Mein erstes Wildtierpraktikum

 

Seit 2016 fahre ich jedes Jahr nach Namibia, um auf einer Safarifarm nahe Windhoek mit Pferden zu arbeiten – so auch im ersten Viertel dieses Jahres. Ich wollte schon sehr lange ein Wildtierpraktikum in Afrika machen, aber selbst nachdem ich jetzt über Jahre Land & Leute kennengelernt habe, war es schier aussichtslos, eine Möglichkeit in dem Bereich aufzutun.

Durch eine glückliche Fügung konnte ich dann doch Ende März für 3 Tage bei einem Wildtierarzt mitfahren, mit der Mission, eine Hyäne & mehrere Giraffen umzusiedeln. Eine Aktion hatte leider ein trauriges Ende, dazu aber später mehr…

 

„Eine Hyäne zu betäuben war für mich ein verrückter Moment!“

 

Ich wurde am frühen Nachmittag von dem Tierarzt nahe der Safarifarm abgeholt. Dann ging es erstmal 2,5 Stunden weiter ins Landesinnere. Unterwegs haben wir einen Teil seiner Angestellten abgeholt, welche relativ verstreut im Land wohnen. Später erreichten wir dann die Gästefarm, auf der eine Hyäne in Gefangenschaft (als Attraktion für die Touristen, da man sie selten in freier Wildbahn sieht) lebt.

Diese sollten wir in ein größeres Gehege umsiedeln. Da man Wildtiere schlecht an der Leine von A nach B führen kann, mussten wir sie ‚darten‘. Darten bedeutet, ein Tier mit einem Gasgewehr zu betäuben, meist in der Scapularegion oder in der Gluteusmuskulatur. Dafür gibt es spezielle Betäubungspfeile, die vorher befüllt werden müssen.

Das ganze Procedere lief ziemlich unkompliziert und schnell ab: Der Tierarzt hat die Hyäne gedartet, wir haben ca. 5min gewartet bis sie eingeschlafen ist und dann sind wir ins Gehege gegangen und haben die Hyäne auf eine Trage gelegt und ins größere Gehege getragen. Im neuen Gehege hat der Tierarzt noch näher den allgemeinen Zustand und die Zähne beurteilt, bevor er mir drei Spritzen mit Antibiotikum, Vitamin B Complex und Mineralstoffen in die Hand gedrückt hat, welche ich subkutan in den Nacken spritzen durfte. Das war ein ziemlich unerwarteter und verrückter Moment, weil man ja nicht jeden Tag eine Hyäne spritzen darf. Das Antibiotikum hat sie prophylaktisch für die kleine Wunde bekommen, die der Betäubungspfeil verursacht hat, die beiden anderen Mittel, um sicherzustellen, dass sie optimal versorgt ist. In Gefangenschaft kann man sich als Tierarzt nicht sicher sein, ob die Tiere nicht zu einseitig gefüttert werden und daraus eventuelle Unterversorgungen entstehen.

Final hat er die Betäubung antagonisiert und wir konnten von außen beobachten wie sie langsam aufgewacht und ziemlich getorkelt ist. Nach 15 Minuten war sie aber wieder gut auf den Beinen und begann, ihr neues Gehege zu erkunden.

Im Nachhinein haben wir dann von den Besitzern erfahren, dass in dem Gehölzstapel mitten im alten Gehege eine Black Mamba wohnt. Ziemlich ungünstig! Wenn wir auf diese getroffen wären oder die Hyäne, hätte es sehr gefährlich werden können. Ein gezielter Biss von einer Black Mamba endet beim Menschen innerhalb von 20 Minuten tödlich.

Ich habe später mit dem Tierarzt über die Haltung der Hyäne gesprochen. Er meinte, dass sie nicht optimal sei. Der Partner der Hyäne ist vor 2 Jahren gestorben und seitdem lebt sie allein – und Hyänen sind Rudeltiere (ich habe auch auf einem Roadtrip später glücklicherweise drei wilde Hyänen in einer Gruppe gesehen, es sind auf jeden Fall keine Einzelgänger). Er hoffte, dass die Farm mit der Hyänenhaltung aufhört, sobald die Hyäne nicht mehr lebt.

Die Aktion mit der Hyäne hat relativ lange gedauert, daher sind wir erst nach 21 Uhr bei der Lodge angekommen, wo wir die Nacht verbracht haben. Auf der Lodge konnten wir an dem Abend noch Nashörner und andere Tiere hautnah erleben. Ich habe in einem Bungalow direkt am Wasserloch geschlafen und hatte am nächsten Morgen beim Aufwachen einen traumhaften Blick.

 

„Die Betäubung einer Giraffe kann sowohl für Sie als auch für den Menschen tödlich enden, wenn man es ungeschickt anstellt.“

 

Wir mussten am nächsten Morgen schon wieder um 7 Uhr los, da wir an diesem Tag drei Giraffen von einem Reservat in ein anderes umsiedeln mussten. Dies läuft normalerweise gut, wenn die Giraffen an Autos und Menschen gewöhnt sind und das Terrain weitläufig und wenig hügelig ist.

Bei solchen optimalen Voraussetzungen würde die Umsiedlung folgendermaßen ablaufen: Man benötigt einen ganzen Fuhrpark an Autos, dazu zählt ein Geländewagen mit Pritsche, auf dem das gesamte Team (inkl. Tierarzt und mir) draufsteht, ein Auto mit kleinerem Anhänger für nur eine Giraffe und dann der große LKW mit Platz für mehrere Giraffen. Der große LKW ist nicht allzu geländetauglich, weswegen die Giraffen in unwegsamen Gelände erstmal auf den kleinen Anhänger verladen und nachher auf den LKW umgeladen werden, um sie dann zum Zielort (anderes Reservat) zu transportieren. Der Tierarzt müsste auf maximal 60 Meter an die Giraffe herankommen, um sie zu darten. Dann würde sie vor Schreck loslaufen. Nun kommt das weitläufige Terrain ins Spiel. Man muss unbedingt dauerhaften Sichtkontakt zu der Giraffe haben und ihr hinterherfahren können, um zu sehen, wann die Betäubung wirkt. Andernfalls könnte es passieren, dass die Giraffe hinfällt und durch die Wirkung der Narkose stirbt, bevor man sie antagonisieren kann. Die Betäubung von Giraffen ist immer eine heikle Sache, aufgrund des hohen Blutdrucks, des den langen Halses und dem Fakt, dass sie Wiederkäuer sind. Diese Betäubungsmedikamente sind so stark, dass ein Mensch stirbt, sobald er Kontakt mit nur einem Tropfen hat.

Wenn man sie aber nun gedartet und verfolgt hat, sie dann langsam müder und torkeliger wird, muss man hinlaufen und sie mit Seilen zu Boden ‚ringen‘. Anschließend bekommen sie einen Blindfold (Augenmaske) auf die Augen und Seile um den Hals und ums Hinterteil herum. Sie wird antagonisiert und jemand kniet sich über den am Boden liegenden Hals. Die Giraffe ist dann völlig wach, wehrt sich aber kaum oder gar nicht, weil sie dazu den Schwung vom Hals bräuchte. Wenn der Transportanhänger bereitsteht, wird der Hals freigelassen und die Giraffe mit kleinen Elektroschocks zum Aufstehen bewegt. Dann ist die Schwierigkeit, die verwirrte und blinde Giraffe über die Rampe in den Hänger zu bekommen.

In unserem Fall waren die Giraffen aber leider sehr verwildert und sind bei dem kleinsten Motorengeräusch losgerannt. Das Gelände war zwar sehr klein, aber auch sehr unübersichtlich. Wir sind zum Teil auf Hügel geklettert, um die Giraffen überhaupt zu finden, sind aber dann den gesamten Tag auf dem Gelände herumgefahren, ohne jemals ansatzweise genügend nah ranzukommen. Am Ende hat sich der Tierarzt mit dem Besitzer darauf geeinigt, an einem anderen Tag mit Helikopter zu kommen und die Tiere aus der Luft zu darten.

Daraufhin sind wir wieder zurück Richtung Windhoek gefahren, um einen Tag Pause zu haben, bevor wir dann wieder für einen Tag Giraffen an anderer Stelle umsiedeln sollten.

Das Ende des nächsten Tages hat mich sehr zum Nachdenken gebracht…

 

„Eine wilde Verfolgungsjagd stand uns bevor…“

 

Das Gelände war viel besser und übersichtlicher als das zwei Tage zuvor. Wir haben die Giraffen direkt innerhalb der ersten halben Stunde gesichtet und ein lange abgesetztes Jungtier gedartet. Leider muss der Dart nicht richtig getroffen haben, sodass die Giraffe noch ziemlich wach, getrennt von der Herde mit dem Dart in der Schulter weggerannt ist. Es ist in eine ziemliche Verfolgungsjagd ausgeartet, da wir sie ja mit dem Auto verfolgen mussten. Wir standen hinten auf der Ladefläche und sind wirklich schnell gefahren. Dann sind wir mit dem Auto steckengeblieben und mussten zu Fuß weiter hinter der viel schnelleren Giraffe herrennen. Ich habe dann plötzlich niemanden mehr gesehen und bin langsamer geworden, weil ich Angst hatte im hohen Gras auf eine Schlange zu treten. Normalerweise sind Schlangen sehr vibrationssensitiv, das heißt sie sind über alle Berge, wenn vorher eine Giraffe mitsamt einer Horde Männern hintendran da langgetrampelt ist – aber man kann ja nie wissen. Ich war dann allein irgendwo im Nirgendwo und habe probiert den Spuren im abgeknickten Gras zu folgen. Irgendwann habe ich den großen LKW gesehen, in dem wir die Giraffen umsiedeln wollten. Mit dem Fahrer bin ich dann auf das riesige Gefährt geklettert und wir haben geschaut, ob wir irgendjemanden sehen konnten. Kurz darauf kam auch das Auto mit Anhänger an die Stelle. Nach einer halben Ewigkeit wurden wir angerufen und zu dem Ort gelotst, wo sie die Giraffe endlich doch eingefangen haben. Sie lag schon am Boden und wir haben den Anhänger nur in Position gebracht – dann durfte die Giraffe schon aufstehen. Auch nach 20min haben wir die Giraffe noch nicht in den Anhänger bekommen, sie war sehr gestresst und hat geschwitzt. Dann ist sie gestürzt und nicht wieder hochgekommen – das war das Zeichen für den Tierarzt abzubrechen, ansonsten wäre sie uns gestorben. Wir haben den Blindfold sowie alle Seile entfernt und sie einfach in Ruhe gelassen. Nach einigen Minuten ist sie dann von selbst aufstanden und schwankend unter den nächsten Baum in den Schatten gelaufen.

Für das gesamte Team ging es nach dem erfolglosen Vormittag erst einmal in die Mittagspause. Wir waren mit insgesamt 4 Autos unterwegs und davon waren zwei nach dem harten Gelände reparaturbedürftig. Gestärkt & repariert ging es dann nach der Pause weiter.

Ich bin dann leider in das Auto mit Anhänger gestiegen, mit welchem wir in der falschen Ecke nach Giraffen gesucht haben. Irgendwann haben wir einen Anruf bekommen, dass eine Giraffe am anderen Ende des Geländes gedartet und bereits hingelegt wurde. So schnell es ging, haben wir probiert einen Weg zu dem Ort zu finden – leider haben wir aber einige Zeit gebraucht, da man sich zum Teil schlecht orientieren kann (im Busch gibt es keine Straßenschilder oder gut ausgebaute Wege).

 

„Die zweite Verladeaktion verlief leider mit unschönem Ende…“

 

Als wir ankamen begann dasselbe Procedere wie am Vormittag und wir haben probiert, die Giraffe zu verladen. Leider lief es ähnlich schlecht ab. Die Giraffe ist jedes Mal zurückgeschreckt, als sie auf die Rampe getreten ist und es ein blechernes Geräusch gab. Sie hat sich sehr gegen die Seile gewehrt und sich ziemlich ausgepowert, bis sie halb in den Anhänger gefallen ist. Wir haben den Anhänger etwas nach vorne gefahren damit sie aus dem Anhänger rutscht und mehr Platz zum Aufstehen hat. Der Tierarzt hat noch einmal probiert, sie zum Aufstehen zu bewegen, dann aber abgebrochen. Leider hat sich diese Giraffe nicht wieder erholt und ist uns im Liegen gestorben. Der Tierarzt vermutete ein Herzanfall während des Verladeprozesses.

Für mich war dies eine Situation, die mich wirklich zum Nachdenken gebracht hat. Diese Giraffe ist einen unnötigen Tod gestorben, nur weil Menschen sie an einen anderen Ort bringen wollten. Durch den hohen Adrenalinausstoß ist das Fleisch auch nicht mehr zum Verzehr geeignet gewesen.

 

„Die Welt der Wilditermedizin ist eine eigene…“

 

Ich merkte schnell, dass die Welt der Wildtiermedizin eine völlig andere war, als die Tiermedizin für unsere domestizierten Haustiere. Mir war diese Schattenseite vorher nicht bewusst. Klar – dieser Fall ist nicht die Normalität, so etwas passiert. Ich dachte darüber nach, ob es nicht eine Alternative zum Umsiedeln gibt. Erstens dient es der Populationsregulierung innerhalb eines Reservates und zweitens der Erhaltung der genetischen Vielfalt bzw. der Erweiterung des Genpools. Eine wirkliche Alternative gibt es also nicht, außer dass viele Farmen in Namibia die Bestände mithilfe der Jagd regulieren.

Zu einem Ergebnis bin ich nicht gekommen. Dies Erfahrung erlaubte mir trotzdem einen besseren und differenzierteren Einblick in die Wildtiermedizin. Da in Deutschland ein regelrechter ‚Hype‘ um Wildtierpraktika herrscht – und es ist auch ein sehr spannendes Feld – würde ich jederzeit wieder mit einem Wildtierarzt mitfahren wollen. Jeder sollte sich dabei allerdings bewusst sein, dass es auch zu unschönen Erlebnissen kommen kann und die nötige Stärke dabei ist sehr wichtig.

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