Eine dringende Nachricht von der Bank, eine Rechnung eines bekannten Lieferanten oder eine kurze Frage am Telefon: Betrugsversuche können mitten im normalen Praxisalltag auftauchen. In letzter Zeit berichten uns mehrere Tierarztpraxen von verdächtigen E-Mails und Anrufen. Wir zeigen, worauf Ihr Team achten sollte und welche einfachen Absprachen helfen.
Beim Phishing geben sich Betrüger als vertrauenswürdige Stelle aus, um beispielsweise an Zugangsdaten zu gelangen. Dazu nutzen sie E-Mails, Briefe, SMS oder Anrufe. Die Nachrichten können professionell gestaltet sein und ein bekanntes Logo enthalten.
Ein aktuelles Beispiel sind gefälschte Schreiben im Namen der apoBank. Darin wird behauptet, eine „Verifizierung“ des Bankzugangs sei dringend erforderlich. Wer nicht reagiert, müsse mit Einschränkungen beim Online-Banking rechnen. Der enthaltene QR-Code führt jedoch auf eine gefälschte Website. Auch vor Phishing-E-Mails im Namen der Bank wurde bereits gewarnt. Über gefälschte Briefe an Apotheken berichtete zudem die Pharmazeutische Zeitung.
Die Masche kann ebenso andere Banken oder Geschäftspartner betreffen. Für Praxen ist deshalb weniger der angebliche Absender entscheidend als die Frage: Fordert mich diese Nachricht zu einem ungewöhnlichen Schritt auf?
„Handeln Sie noch heute“ oder „Ihr Zugang wird gesperrt“: Solche Formulierungen sollen dazu bringen, eine Nachricht schnell zu bearbeiten, ohne sie zu prüfen. Eine gesetzte Frist macht eine Aufforderung nicht automatisch glaubwürdig.
Seien Sie besonders aufmerksam, wenn Sie nach dem Klick auf einen Link oder dem Scannen eines QR-Codes Bankdaten, Passwörter oder TANs eingeben sollen. Öffnen Sie Ihr Online-Banking stattdessen über die gewohnte App oder indem Sie die bekannte Webadresse selbst eingeben.
Der angezeigte Absendername lässt sich leicht nachahmen. Schauen Sie deshalb auf die vollständige E-Mail-Adresse. Eine fremde Domain kann ein Hinweis auf eine Fälschung sein. Umgekehrt gilt: Auch eine professionell geschriebene Nachricht mit echtem Logo sollte bei ungewöhnlichen Aufforderungen geprüft werden.
Eine Rechnung kann zu einer tatsächlichen Bestellung passen und dennoch manipuliert sein. Wenn ein bekannter Lieferant plötzlich eine neue IBAN nennt, bestätigen Sie die Änderung über eine Telefonnummer, die Ihnen bereits vorliegt. Verwenden Sie dafür nicht die Kontaktdaten aus der fraglichen Nachricht.
Ein Anruf beginnt vielleicht mit einer unverfänglichen Frage und kommt später auf Zuständigkeiten, Abwesenheiten, Dienstpläne oder Lieferanten zu sprechen. Nicht jeder solche Anruf ist betrügerisch. Ihr Team muss unbekannten Personen aber keine internen Informationen geben. Diese Angaben können spätere Täuschungsversuche glaubwürdiger machen.
Die wichtigste Maßnahme ist ein klarer Prüfweg, den alle kennen. Legen Sie fest, an wen verdächtige Nachrichten weitergegeben werden, wer Änderungen von Zahlungsdaten rückbestätigt und wer Überweisungen freigibt. Beziehen Sie besonders Empfang und Buchhaltung ein: Dort treffen Anrufe, E-Mails und Rechnungen häufig zuerst ein.
Für ungewöhnliche Anrufe kann eine einfache Antwort helfen: „Dazu kann ich Ihnen telefonisch keine Auskunft geben. Bitte senden Sie Ihr Anliegen an unsere allgemeine Praxisadresse.“ So bleibt Ihr Team freundlich, ohne interne Details preiszugeben.
Wurde lediglich eine verdächtige Seite geöffnet, schließen Sie diese und geben Sie dort keine Daten ein. Falls bereits Zugangsdaten eingegeben oder eine Bankfreigabe bestätigt wurde, kontaktieren Sie umgehend Ihre Bank. Dokumentieren Sie die Nachricht und den Ablauf. Bei einem konkreten Betrugsverdacht können Sie sich an die Polizei wenden.
Ein Fehlklick sollte im Team sofort angesprochen werden können. Je früher die zuständigen Personen davon erfahren, desto schneller können sie reagieren.
Kommt Ihnen eine Nachricht oder ein Anruf ungewöhnlich vor, prüfen Sie das Anliegen über einen bekannten Kontaktweg. Ein kurzer Check kann Ihre Praxis schützen.
Teilen Sie diese Hinweise mit Ihrem Praxisteam und sprechen Sie gemeinsam durch, wie Sie bei verdächtigen Nachrichten, Rechnungen und Anrufen vorgehen.