Gut zu wissen!

04.10.2012

Gehaltsoptimierung in der Tierarztpraxis

Motivierte und zufriedene Mitarbeiter sind die Basis jeder erfolgreichen Tierarztpraxis. Die Zufriedenheit der Mitarbeiter richtet sich zu einem großen Teil danach, welche Wertschätzung ihnen in Form des Gehalts entgegengebracht wird. Die Vergütung ist zwar nicht alleiniger Gradmesser der Zufriedenheit – das Verhältnis Leistung/Vergütung sollte aber auf jeden Fall stimmen.

Eine reine Erhöhung des Bruttogehalts ist meist weder für die Mitarbeiter noch für den Praxisinhaber sinnvoll, da ein beachtlicher Teil der Mehrvergütung Lohnsteuern und Sozialabgaben zum Opfer fällt.

 

Soll das höhere Einkommen den Mitarbeitern in voller Höhe zugutekommen, sollte der Praxischef alle legalen Chancen nutzen, die Zuwendungen teilweise oder sogar ganz vor dem Zugriff des Fiskus bzw. der Sozialversicherung zu schützen.

 

Eine Möglichkeit, die in den Praxen immer noch viel zu wenig genutzt wird, sind z.B. steuerfreie Zuwendungen bis zu einem Wert von 44 € pro Monat, für die weder Steuern noch Sozialabgaben fällig werden. An erster Stelle sind hier sicherlich Tankgutscheine zu nennen – angesichts der mitunter explodierenden Benzinpreise sicherlich ein willkommenes Geschenk.

Praxisinhaber können z.B. mit einer Tankstelle in ihrer Nähe eine Vereinbarung treffen und die eingelösten Wertbons per Monatsrechnung bezahlen. Denkbar sind natürlich auch andere Warengutscheine z.B. für Kosmetika, Literatur etc.

Doch Achtung: Die Gutscheine durften bislang nicht auf einen Eurobetrag lauten, der Tankgutschein musste z.B. die Litermenge an Benzin oder Diesel angegeben. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat jedoch mit drei steuerzahlerfreundlichen Urteilen die Vorschriften für Tank- und Geschenkgutscheine gelockert. Erlaubt sind demnach Werthöchstgrenzen, Tankkarten und Geschenkgutscheine.

 

Ebenfalls steuerbefreit sind so genannte Aufmerksamkeiten. Aufmerksamkeiten können bis zu einer Freigrenze von 40 € mehrmals im Jahr zu besonderen Anlässen gewährt werden - z.B. Buchgeschenk zum Geburtstag, CD zur Geburt eines Kindes.

Achtung: Freigrenze bedeutet: bis zu 40 Euro ist die Aufmerksamkeit komplett steuerfrei, bei 40,10 Euro ist alles steuerpflichtig (nicht nur der übersteigende Betrag von 0,10 Euro)

 

Weiterhin  können den  Mitarbeitern, die mit dem Kassen- bzw. Zähldienst in der Praxis beschäftigt sind, sogenannte Fehlgeldentschädigungen lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei i.H. von 16 € monatlich pauschal gezahlt werden.

 

Steuerbefreit sind außerdem Leistungen, die der Praxisinhaber im eigenbetrieblichem Interesse gewährt (Betriebsveranstaltungen). Hier sind z.B. Betriebsausflüge (ein- oder mehrtägig) oder Firmenfeiern zu nennen, die dem Kontakt der Mitarbeiter untereinander und dem betrieblichen Klima dienen und allen Mitarbeitern offen stehen.

Achtung: Es darf sich hierbei jedoch um nicht mehr als zwei Veranstaltungen jährlich handeln, wobei die Kosten je Arbeitnehmer bis zu einer Freigrenze von 110 € je Veranstaltung und Kalenderjahr einschließlich Umsatzsteuer nicht übersteigen dürfen. Praxisfremde Ehegatten bzw.  Angehörige dürfen teilnehmen, die Kosten werden dann dem Mitarbeiter zugerechnet. Ein Überschreiten der Freigrenze führt generell beim Mitarbeiter in voller Höhe zu steuer- und sozialversicherungspflichtigem Arbeitslohn. Allerdings ist auch eine Pauschalierung der Lohnsteuer durch den Arbeitgeber mit 25% möglich, was auch zur Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung führt.

 

Des weiteren können den Mitarbeitern steuerfreie Zuschläge gewährt werden, sofern diese für Nachtarbeit 25%, Sonntagsarbeit 50% und Feiertagsarbeit bis 150% des Grundlohns nicht übersteigen.

 

Auch die unentgeltliche oder verbilligte Überlassung typischer Arbeitskleidung, die den Mitarbeitern durch den Chef  überlassen wird, ist lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei.

 

Die Gewährung beruflicher Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen stellt für die Mitarbeiter kein Arbeitsentgelt dar, wenn das betriebliche Interesse des Arbeitgebers überwiegt. Davon kann man ausgehen, wenn die Einsatzfähigkeit der Mitarbeiter in der Praxis erhöht werden soll.

 

Weiterhin begünstigt sind Sach- oder Barleistungen zur Unterbringung und Betreuung von nicht schulpflichtigen Kindern der Mitarbeiter in Kindergärten oder Kindertagesstätten. Gerade in Zeiten steigender Beiträge für die Kinderbetreuung -aufgrund der klammen Haushalte in den Kommunen bzw. anderer Trägereinrichtungen- wird diese Art der Unterstützung sicherlich besonders gern angenommen.

Achtung: Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Steuerfreiheit nur für zusätzlich zum geschuldeten Arbeitslohn gezahlte Beträge gewährt wird. Damit ist die Umwandlung von Arbeitslohn in steuerfreie Kindergartenzuschüsse ausgeschlossen.

 

Steuerfrei sind auch die Vorteile des Arbeitnehmers aus der privaten Nutzung von betrieblichen Personalcomputern, Telekommunikationsgeräten sowie einem betrieblichen Internetanschluss.

Entscheidend ist, dass die Geräte bzw. der  Internetanschluss dem Mitarbeiter von seinem Arbeitgeber zur Nutzung überlassen werden. Unerheblich ist, in welchem Verhältnis die berufliche zur privaten Nutzung steht. Unerheblich ist auch, ob es sich um gekaufte oder geleaste Geräte handelt und wie hoch die Zuwendungen sind. Ebenso kommt es nicht darauf an, ob die Vorteile zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Gehalt oder aufgrund einer Vereinbarung mit dem Arbeitgeber über die Herabsetzung von Arbeitslohn erbracht werden. Aufzeichnungen über den Umfang der Privatgespräche sind ebenfalls nicht erforderlich.

Aber Achtung: Leistet der Arbeitgeber einen Zuschuss zu einem privaten Handy/Internetanschluss, greift die Steuerbefreiung nicht. Aber: solche Zuschüsse können pauschal durch den Arbeitgeber mit 25% besteuert werden. Diese Zuwendungen sind dann in voller Höhe auch sozialabgabenfrei.

 

Umzugskostenvergütungen des Arbeitgebers sind lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei, wenn der Umzug beruflich bedingt ist. Statt der tatsächlichen Umzugskosten kann hierfür auch ein Pauschbetrag berücksichtigt werden. (Für Ledige z.B. 640€).

 

Achtung: Ein beruflich veranlasster Umzug liegt unter anderem dann vor, wenn die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte stark verkürzt wird. (arbeitstäglich ca. 1 Stunde)

 

Last but not least sind noch die seit 2009 geltenden steuerlichen Befreiungsvorschriften zur betrieblichen Gesundheitsförderung zu nennen. Die Steuerbefreiung ist auf einen jährlichen Höchstbetrag von 500 € begrenzt. Sie umfasst sowohl Barzuschüsse als auch Sachleistungen des Arbeitgebers.

Achtung: Voraussetzung ist, dass die Leistungen zur Gesundheitsförderung zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbracht werden. Eine Entgeltsumwandlung ist nicht begünstigt. Steuerfrei bleiben in diesem Zusammenhang insbesondere therapeutische Maßnahmen zur Vorbeugung körperlicher Schädigungen des Bewegungsapparates, also insbesondere die Kostenübernahme für die sog. Rückenschule bei Bildschirmarbeit oder Kurse zur Stressbewältigung oder auch Seminare über Alkohol, Nikotin und anderen Suchtmittelmissbrauch. Leider nicht begünstigt ist die Übernahme bzw. Bezuschussung von Mitgliedsbeiträgen an Sportvereine und Fitnessstudios. Bei dem Betrag von 500 Euro handelt es sich um einen Freibetrag. Wird mehr gezahlt, ist nur der übersteigende Betrag steuer- und sozialversicherungspflichtiger Arbeitslohn.

 

Fazit: Obwohl der Gesetzgeber in den letzten Jahren liebgewonnene Vergünstigungen gestrichen hat (z.B. Wegfall steuerfreier Heirats- und Geburtsbeihilfen) bleiben immer noch vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten, um motivierten Mitarbeitern Leistungen steuerfrei zu honorieren - sie müssen nur genutzt werden!

 

Autorin Dagmar Kayser-Passmann

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